Stellungnahme zu den Straftaten eines ehemaligen Mitarbeiters der Uni Freiburg

19. März 2026

Ein ehemaliger Studienberater der Universität Freiburg hat über mehr als 15 Jahre hinweg systematisch über 800 Frauen heimlich gefilmt — Mieterinnen in einer privaten Wohnung, Studentinnen in Beratungssituationen, Kolleginnen auf einer Dienstreise und auf Toiletten der Universität. Das ganze Ausmaß der Taten ist erst durch das Gerichtsurteil am 09. März 2026 bekannt geworden. Ich bin schockiert und tief betroffen.

Meine Anteilnahme gilt den Frauen, die von diesen Taten betroffen sind. Sie brauchen lückenlose Aufklärung, Transparenz und Unterstützung.

Aufgrund der präzise geplanten und kriminellen Herangehensweise blieben die Taten über Jahre unentdeckt. Die Straftaten fanden im privaten Umfeld sowie an der Universität Freiburg statt.

Das erschüttert mich. Eine Hochschule trägt Verantwortung für die Menschen, die ihr anvertraut sind — Studierende sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gleichermaßen. Daher ist es wichtig, dass diese darauf vertrauen können, dass sie in der Universität sicher sind.

Ich fordere eine lückenlose und vollständig transparente Aufklärung. Darin werden wir die Universität unterstützen. Es sind noch Fragen offen und es herrscht eine große Unsicherheit bei den potenziell betroffenen Frauen: Wie konnte diese Tat so lange unbemerkt bleiben? Wer ist tatsächlich Opfer? Diese Fragen verdienen klare Antworten. Die betroffenen Frauen, die Studierenden und die gesamte Universitätsgemeinschaft wollen verstehen, wie es dazu kommen konnte. Das betrifft zum einen den Zuständigkeitsbereich der Universität, aber auch die Polizei und die Staatsanwaltschaft. Daher begrüße ich es, dass die Hochschule nach der Urteilsverkündung und der damit einhergehenden neuen Faktenlage aktiv in den Austausch mit den Mitgliedern der Hochschule getreten ist und vergangenen Montag eine Veranstaltung zu diesem Thema einberufen hat. Ebenfalls begrüße ich es, dass die Universität den Mitarbeiter 2024 sofort entlassen hat, nachdem die ersten Taten bekannt wurden.

Für die Zukunft fordere ich konkretes Handeln: Schutzkonzepte, niedrigschwellige Meldewege und wirksame Präventionsmaßnahmen müssen auf den Prüfstand gestellt werden — gemeinsam mit Studierenden, Beschäftigten und unabhängigen Fachleuten. Die Universität muss alles dafür tun, dass sie als Institution Übergriffe dieser Art frühzeitig erkennt und unterbindet.

Das Vertrauen in die Universität Freiburg ist durch diesen Fall beschädigt — das zeigen auch die Reaktionen betroffener Frauen und Studierender. Daher braucht es Transparenz darüber, was geschehen ist, Konsequenzen daraus und glaubwürdige Maßnahmen, die zeigen, dass die Sicherheit aller Menschen an dieser Universität oberste Priorität hat. Ich begrüße es ausdrücklich, dass die Universität gerade alles tut, um das Thema aufzuarbeiten und die Betroffenen zu unterstützen.

Den betroffenen Frauen gilt meine volle Solidarität. Was ihnen widerfahren ist, muss offen benannt und aufgearbeitet werden. Und es darf sich nicht wiederholen.

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