Am 16. März 2026 lud der Kreisverband der Freiburger Grünen zur Veranstaltung „Altersfreundliches Freiburg – Zukunft gemeinsam gestalten“ in die Hebelschule ein. Über 100 interessierte Freiburger Bürger:innen folgten der Einladung, ein deutliches Zeichen dafür, wie aktuell und relevant das Thema ist.
Wie sieht eine zukunftsfähige Senior:innenpolitik aus?
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, wie eine moderne und zukunftsfähige kommunale Senior:innenpolitik für Freiburg gestaltet werden kann.
Peter Koderisch vom Arbeitskreis grÜ60 eröffnete die Diskussion mit einem Überblick über die Herausforderungen des demografischen Wandels. Dazu zählen unter anderem Altersarmut, Pflegenotstand, kulturelle Vielfalt und die steigende Zahl von Menschen mit Demenz. Gleichzeitig betonte er die Chancen: das große Engagement von Angehörigen, Nachbar:innen und Ehrenamtlichen sowie die wichtige Rolle aktiver älterer Menschen im gesellschaftlichen Leben.
Viele Angebote – aber keine Gesamtstrategie
Freiburg verfügt bereits über zahlreiche Unterstützungsangebote für ältere Menschen, etwa das Stadtseniorenbüro, innovative Wohnkonzepte und vielfältige lokale Initiativen.
Was jedoch fehlt, ist eine übergreifende Strategie, die diese Angebote bündelt, ressortübergreifend denkt und ältere Menschen aktiv in Entscheidungsprozesse einbezieht. Eine solche Gesamtstrategie könnte dazu beitragen, das Thema Alter ganzheitlich zu betrachten, über die Sozialpolitik hinaus.
Internationale Vorbilder: Das AFC-Netzwerk
Ein möglicher Ansatz ist die WHO-Initiative „Age-friendly Cities (AFC)“. In diesem Netzwerk haben sich weltweit über 1.700 Städte und Kommunen zusammengeschlossen, um gemeinsam altersfreundliche Lebensräume zu entwickeln.
Auch für Freiburg bietet dieses Netzwerk wertvolle Impulse. Bereits sechs der zwölf Freiburger Partnerstädte sind Teil des AFC-Netzwerks.
Lebendige Diskussion auf dem Podium
Im Anschluss an die Einführung fand ein von Jutta Gehrig moderiertes Podiumsgespräch statt. Vertreter:innen aus Wissenschaft, Politik und Praxis diskutierten engagiert mit dem Publikum.
Waltraud Kannen brachte ihre langjährige Erfahrung aus der Arbeit in einer Sozialstation ein und schilderte eindrücklich die Lebensrealität vieler älterer Menschen. Sie erhofft sich vom AFC-Netzwerk einen systematischen Blick auf die Bedürfnisse einer alternden Gesellschaft.
Prof.in Dr.in Stefanie Engler beleuchtete das Thema aus wissenschaftlicher Perspektive und unterstrich die Chancen einer umfassenden städtischen Strategie.
Hannes Wagner, Grüner Stadtrat mit Schwerpunkt Sozialpolitik, hob die Bedeutung älterer Menschen im Ehrenamt hervor – eine Rolle, die in der öffentlichen Debatte oft unterschätzt werde.
Harald Wölter, langjähriges Grünes Mitglied des Rates der AFC-Mitgliedsstadt Münster, beleuchtete den Weg Münsters zur altersfreundlichen Stadt, einschließlich der besonderen in NRW geltenden Bedingungen. Dort zeigt sich, wie eine ressortübergreifende Zusammenarbeit in der Verwaltung konkrete Verbesserungen ermöglicht – etwa durch die verbindliche Integration altersfreundlicher Wohnformen in großen Bauprojekten.
Klare politische Perspektiven
Auch OB-Kandidatin Monika Stein griff zentrale Punkte der Diskussion auf. Sie betonte, dass eine erfolgreiche Senior:innenpolitik nur mit einem klaren Gesamtkonzept gelingen könne. Im Falle ihrer Wahl wolle sie sich für einen Beitritt Freiburgs zum AFC-Netzwerk einsetzen. Dabei unterstrich sie: Eine altersfreundliche Stadt kommt allen Generationen zugute, nicht nur älteren Menschen.
Engagierte Beiträge aus dem Publikum
In der offenen Diskussion wurden insbesondere Fragen des Wohnungsbaus und der Barrierefreiheit angesprochen. Auch Daniela Evers, frisch wiedergewählte Landtagsabgeordnete der Grünen, bezog hierzu Stellung und beteiligte sich engagiert an der Debatte.