Die Grüne Stadt

Verkehrswende

Mit einem modernen Verkehrskonzept können wir Mobilität klimafreundlich, sicher, gesünder und bezahlbar machen. Verkehr muss dabei von den schwächsten Verkehrsteilnehmer*innen her gedacht werden. Wir wollen Mobilität erleichtern und die CO2-Emissionen aus diesem Sektor deutlich reduzieren! Deshalb setzen wir uns für eine umwelt- und menschenfreundliche Mobilität ein. Davon profitieren nicht zuletzt auch all jene, die sich mit dem Auto in der Stadt bewegen müssen: Notfalldienste, Handwerksbetriebe, Menschen mit Behinderung.

Freiburg und das Umland haben eine intensive Verkehrsbeziehung. Rund 60.000 Menschen pendeln jeden Morgen in die Stadt, rund 20.000 verlassen die Stadt, um zur Arbeit zu fahren und kommen am Abend wieder zurück. Diese Pendler*innen brauchen ein attraktives Angebot. Technologische Fortschritte wie etwa autonomes Fahren dürfen allerdings nicht zu einer Zunahme an Fahrzeugen führen. 

Im Gegenteil: Ziel muss auch hier eine Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs sein, z. B. auch durch eine weiterhin starke Förderung von Sharing- Projekten. 

Mobil ohne Auto

79% aller Wege in der Stadt werden bereits heute zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem ÖPNV zurückgelegt – das ist ein Spitzenwert. Doch wir wollen mehr. Unser Ziel für den sogenannten „Modal Split“ sind 90%! Da wir auch die Pendelverkehre in den Blick nehmen wollen, fordern wir zudem eine zur „Modal Split“-Untersuchung vergleichbare Analyse zur Verkehrsmittelwahl der Pendler*innen.

Ein Anreiz für das Erreichen von 90% nachhaltiger Verkehrsmittel im „Modal Split“ wäre ein autofreier Tag im Jahr. Anlässlich der Europäischen Mobilitätswoche Anfang September sperren bereits Städte wie beispielsweise Brüssel oder Paris einen Sonntag lang die Straßen für motorisierten Verkehr. Der Tag wird von vielen Autofahrer*innen zum Radfahren genutzt und bietet einen Anlass für ein tolles Stadtfest. Wir Grüne wollen uns dafür einsetzen, dass auch Freiburger Bürger*innen sich einen Sonntag im Jahr die Straßen ihrer Stadt aneignen können. 

Auch ökonomisch sind der Ausbau des ÖPNV und die Reduzierung des Autoverkehrs dringend geboten: Wissenschaftliche Studien belegen, dass der Autoverkehr die Kommunen bis zu dreimal so viel kostet wie der Öffentliche Nahverkehr! Nach dem Vorbild der Stadt Kopenhagen wollen wir die Reduzierung von Autos und Autoparkflächen nutzen, um weitere Grün- und Freiflächen in Freiburg zu schaffen.

ÖPNV ausbauen

Jeder Stadtteil soll mit einer Tramlinie an das ÖPNV-Netz angebunden werden. Dazu wollen wir das ÖPNV-Netz weiter ausbauen. Trotz des Ausbaus der letzten Jahre haben wir noch nicht unser Ziel eines dichten Bus- und Straßenbahnnetzes erreicht, das eine schnelle, kostengünstige und klimafreundliche Mobilität in allen Teilen der Stadt bietet. Stadtteile wie St. Georgen und Littenweiler wollen wir an das Straßenbahnnetz anschließen und für die Ortschaften am Tuniberg wollen wir ein attraktives Angebot schaffen. Außerdem fordern wir, die ÖPNV-Verbindungen ins Umland gemeinsam mit den betroffenen Gemeinden zu verbessern.

Neben dem Ausbau des ÖPNVs wollen wir auch dessen Umrüstung: Langfristig sollten Freiburgs Busse elektrifiziert werden oder auf Wasserstoffbasis fahren. Das Gleiche gilt auch für die Fuhrparks aller städtischer Unternehmen.

Wir wollen das Wiener Modell: ein Jahresticket für den ÖPNV für 365 Euro – 1 Euro pro Tag! Dafür müssen wir faire und nachhaltige Finanzierungswege erschließen und frühzeitig in Personalgewinnung und -bindung investieren. Das wird nicht ohne Unterstützung von Bund und Land gehen, die den Kommunen gegenüber in der Verantwortung stehen. Als Beitrag zur Finanzierung des ÖPNV fordern wir eine Nahverkehrsabgabe. Dabei setzen wir auf Verhandlungen mit dem Land, damit es den Kommunen künftig möglich ist, diese Abgabe zu erheben. Bis dahin brauchen wir eine Überprüfung und Verbesserung des Sozialtickets.

Fuß- und Radverkehr

Um die Infrastruktur für Fuß- und Radverkehr zu verbessern, braucht es ein deutlich stärkeres finanzielles Engagement der Stadt. Wir haben den Anspruch, dass wir bei den Investitionen in den Rad- und Fußverkehr zu den europäischen Spitzenreitern gehören. Wir wollen die Radwege an den sich verändernden Radverkehr anpassen. Radwege müssen breiter werden, damit auch Radler*innen mit doppeltem Kinderanhänger und Lastenräder Platz finden. Und damit zum Beispiel E-Bikes und S-Pedelecs sicher überholen können. Bislang fehlen außerdem ein leistungsstarkes Fahrradverleih-System und ausreichend Parkplätze für Lastenräder.

Wir wollen in der Verkehrsplanung dem Fuß- und Radverkehr mehr Platz geben. Das bedeutet auch, dass wir autofreie Wohnquartiere mit Quartiersgaragen ausbauen wollen. Denn durchschnittlich wird ein Auto nur eine Stunde pro Tag bewegt, nimmt aber 23 Stunden Platz weg. Wertvollen Platz, den wir für Frei- und Grünflächen nutzen wollen. Vauban zeigt es: Autofreie Quartiere bedeuten mehr Lebensqualität für alle. 

Gerade Lastenräder haben ein großes Potential, innerstädtischen Verkehr umweltfreundlicher zu gestalten, daher wollen wir deren Nutzung und Verbreitung fördern, u. a. indem wir Privatpersonen bei der Anschaffung eines Lastenrades finanziell unterstützen. Gehwege müssen für die Fußgänger*innen zurückgewonnen und fehlende Gehwegabsenkungen in den Stadtteilen dringend geschaffen werden.

Bei der E-Mobilität fordern wir dringend ein flächendeckendes und leistungsfähiges Netz von Ladestationen für E-Bikes und -Autos. Wir fordern Solartankstellen für den E-Verkehr mit einer Energieversorgung über Solar-Panels.

Das Car-Sharing-Konzept wurde bisher gut umgesetzt und erfreut sich auch zunehmender Beliebtheit. Um die Früchte dieses Konzeptes hinsichtlich der Flächengerechtigkeit zu ernten, wollen wir in den nächsten zehn Jahren pro Car-Sharing-Stellplatz pro Jahr jeweils einen KFZ-Stellplatz in unmittelbarer Nähe umnutzen. So entstehen kurzfristig z. B. Fahrradabstellkapazitäten und die Sicht in Kreuzungsbereichen kann verbessert werden.

Güter auf die Bahn

Wir wollen den Rückbau der Industriegleise stoppen. Firmen müssen motiviert werden, ihre Anlieferung weitgehend mit der Bahn abzuwickeln. Die existierenden Zusatzkosten für die Waggonzustellung müssen gestrichen werden. Alternativ könnten Anlieferungen per LKW mit Zustellgebühren belastet werden.

Einen weiteren wichtigen Beitrag zur Verkehrswende sehen wir in der Bereitstellung einer personalisierbaren, intelligenten App, die Bahn, Bus, (Leih-)Rad, Carsharing und Taxi zu einem Mobilitätsangebot kombiniert und damit Mobilität für Anwohner*innen und Pendler*innen einfach, flexibel und umweltfreundlich macht.

Sicherer Verkehr

„Vision Zero“ ist unser grünes Ziel: Das bedeutet zukünftig keine Verletzten oder Tote im Straßenverkehr! Insbesondere schwächere Verkehrsteilnehmer*innen wollen wir besser schützen und potenzielle Gefahrenstellen durch übersichtlichere Kreuzungen, bauliche Trennungen von Fuß-, Rad- und motorisiertem Verkehr und andere geeignete Maßnahmen beheben. Die Sicherheit von Kindern und sichere Kita- und Schulwege liegen uns hierbei besonders am Herzen.

Das Freiburger Verkehrsforum hat bereits ein umfangreiches „Schwarzbuch“ über Gefahrenstellen im Stadtverkehr zusammengestellt. Dieses gilt es sukzessive abzuarbeiten. Außerdem wollen wir auch an der Umsetzung der Ideen aus dem entsprechenden „Weißbuch“ weiter arbeiten.

Besonders gefahrenträchtig für Fahrradfahrer*innen sind abbiegende LKWs. Dafür gibt es mittlerweile technische Lösungen. Wir fordern, dass Lieferungen, die an die Stadt gehen, nur mit LKWs mit Abbiegevorrichtung erfolgen und streben eine Selbstverpflichtung der Gewerbebetriebe in der Stadt an.

Beim Bau und bei der Sanierung von Verkehrswegen braucht es eine bessere Trennung der Verkehrswege. So können sich vor allem schwächere Verkehrsteilnehmer*innen sicherer im Straßenraum bewegen. Auch die Parkraumbewirschaftung sollte als Instrument in den Dienst der Sicherheit – vor allem von Kindern – gestellt werden. Dicht beparkte Wohnstraßen sind unübersichtlich und potentielle Gefahrenstellen für spielende Kinder, wir fordern hier kreative aber wirksame Lösungen. 

Sicherheit und Lebensqualität erreichen wir auch durch eine Ausweitung der verkehrsberuhigten Zonen in der Stadt. Tempo-30 als Regelgeschwindigkeit fordern wir flächendeckend im gesamten besiedelten Bereich und nicht nur bei Schulen, Kindergärten und Altenheimen. Die positiven Folgen sind die Reduzierung von Stop-and-go-Phasen und Stauentwicklung, Lärm und Abgasbelastung sowie auch eine verringerte Unfallgefahr. In unmittelbarer Nähe zu den Freiburger Schulen und Kitas fordern wir, Halteverbote zu prüfen, die während der Stoßzeiten gelten sollen, um die Schulwege sicherer und Elterntaxis unattraktiver zu machen.

Die genannten Maßnahmen sollen in ihrer Gänze in ein Modellprojekt „sichere Schulwege“ integriert werden. In Zusammenarbeit mit Schulen und Eltern sollen die Gefahrenstellen in allen Stadtteilen erfasst werden und nach ihrer Dringlichkeit abgearbeitet werden.

Umweltfreundlicher Pendelverkehr und Tourismus

Zwischen Freiburg und seinem Umland 

bewegen sich täglich intensive Verkehrsströme. Diese Pendler*innen brauchen umweltfreundliche und attraktive Alternativen zum Auto. Dazu brauchen wir deutlich mehr Investitionen in regionale Radvorrangrouten und das S-Bahn-Netz. Mittelfristig muss es zudem günstiger und komfortabler sein, das Auto außerhalb der Stadt stehen zu lassen, als damit ins Zentrum zu fahren: Wir fordern leistungsfähigere Park&Ride-Parkplätze – notfalls auch im Hochbau – sowie günstige Tagestickets für Gäste und Touristen, die vom Park&Ride-Parkplatz mit dem ÖPNV in die Stadt fahren. Die Parkplätze am neuen SC-Stadion bieten sich durch die unmittelbare Nähe zu Breisgau-S-Bahn und Stadtbahn ideal als zusätzliche Park&Ride-Stationen an. Im Gegenzug brauchen wir an den Stadtbahnlinien konsequente Parkraumbewirtschaftung. Und wir wollen weitere Instrumente prüfen, um Autoverkehr zu reduzieren – wie z. B. eine City-Maut.

Die Tuniberg-Gemeinden brauchen dringend ein leistungsfähiges Angebot! Als erstes benötigen wir die Fahrradverbindung von Waltershofen zum S-Bahn-Haltepunkt nach Gottenheim. Auch unterstützen wir den konsequenten Ausbau des ÖPNV-Anschlusses von Gundelfingen und dem Hexental.

Wir setzen uns für eine konsequente Verkehrsberuhigung des Gipfelbereichs des Schauinsland ein. Als ersten Schritt schlagen wir dazu die Einführung einer Parkraumbewirtschaftung im Gipfelbereich vor.

Freiburg muss sich für eine Bahnverbindung ins elsässische Colmar starkmachen. Wir wollen den Wiederaufbau der Rheinbrücke zwischen Breisach und Neuf-Brisach als Meilenstein für umweltfreundliche grenzüberschreitende Mobilität vorantreiben. Und wir wollen weitere Maßnahmen anstoßen, um die ÖPNV- Verbindungen ins Elsass auszubauen und attraktiver zu gestalten, etwa durch die Einführung eines kostengünstigen Baden-Elsass-Tickets.

Die Albert-Ludwigs-Universität ist Teil eines European Campus. Diese Entwicklung wollen wir stärken, indem wir uns dafür einsetzen, die Partneruniversitäten leichter erreichbar zu machen und die entsprechenden Bahnverbindungen in das Semesterticket zu integrieren.

Mit Energie in eine klimaneutrale Zukunft

Die Bürger*innenenergiewende zum Erfolg führen: Wir wollen Welt-Klima-Hauptstadt werden! Der Freiburger Gemeinderat hat im März 2014 eine klimaneutrale Zukunft beschlossen! Freiburg will die Emission klimaschädlicher Treibhausgase – ausgehend vom Jahr 1992 – bis 2030 um 50 Prozent senken und bis 2050 Klimaneutralität erreichen. Wir sind allerdings überzeugt: Freiburg sollte bis 2030 eine Reduktion von 60 Prozent verwirklichen – so wie es Wissenschaftler*innen des Öko-Instituts fordern. Für diese ambitionierten Ziele braucht es folgende Maßnahmen:

Erneuerbare Energien ausbauen

Um unsere Klimaziele zu erreichen, muss auf jedem geeigneten Dach Solarenergie genutzt werden. Bis 2030 brauchen wir dafür jedes Jahr einen Zubau von mindestens 7 MW. Dies bedeutet mehr als eine Verdreifachung des aktuellen Ausbaus. Dafür unterstützen wir in Freiburg nicht nur die technische Umsetzung, sondern auch soziale Innovationen, die einen schnellen Ausbau auch bei mehreren Hausbesitzer*innen ermöglichen und über Mieter*innenstrom- oder Beteiligungsmodelle alle profitieren lassen. Auch unkonventionellen Lösungen wie Balkonsolaranlagen und Bürger*innenenergiegenossenschaften stehen wir offen gegenüber. Gebäude der öffentlichen Hand und Stadtbaugebäude insbesondere im neuen Plus-Energie-Stadtteil Dietenbach sollen dabei kreative Anschauungsobjekte sein, um neue Möglichkeiten der Photovoltaiknutzung zu demonstrieren.

Windenergie auf Freiburger Gemarkung scheitert oft, weil geeignete Standorte fehlen und aufgrund des Schutzes bedrohter Tierarten. Wir wollen mit regionalen Partner*innen einen Bürger*innen-Fonds auflegen, um auch außerhalb der Freiburger Gemarkung die Windkraft voranzubringen.

Wir brauchen außerdem einen entschiedenen Ausbau des Fernwärme-Netzes. Bei dichter Bebauung kann die umweltfreundliche Fernwärme zentral in Blockheizkraftwerken erzeugt und in die Wohnungen geliefert werden. Gemeinsam mit der Badenova ent-wickeln wir Strategien, wie dafür in Zukunft auch Gas aus erneuerbaren Quellen eingesetzt werden kann.

Dietenbach muss ein Plus-Energie-Stadtteil werden

Weil die energetische Sanierung des alten Gebäudebestands beim derzeitigen Tempo zu lange dauert, muss ein neuer Stadtteil als Ausgleich ein Plus in der Energie-Bilanz der Stadt bringen. Auf dem Dietenbachgelände kann dies u. a. durch die Nutzung von Abwasser-Energie möglich werden. Auch das neue Baugebiet Stühlinger West möchten wir als Plus-Energie-Quartier planen! Das für seine Plus-Energie-Bilanz ausgezeichnete Rathaus im Stühlinger dient als Vorbild.

Grüne Gewerbegebiete

Industrie und Gewerbe sind in vielen Bereichen dabei, Ökologie als eine Leitlinie für ihr Handeln zu etablieren. Der Green-Industry-Park in Freiburg-Nord zeigt, wie erfolgreich ganze Industriegebiete nachhaltig entwickelt werden können. Hier konnte in kooperativer Zusammenarbeit zwischen Kommune und Unternehmen u. a. der Energieverbrauch deutlich gedrosselt werden. Anfallende Abwärme wird nicht länger in die Umwelt abgelassen, sondern von benachbarten Unternehmen direkt genutzt. Auch gemeinsame, ökologische Mobilitätslösungen für Mitarbeiter*innen und Stromverbrauchskonzepte werden entwickelt.

Wir möchten, dass die Stadt, aufbauend auf den positiven Erfahrungen, entsprechende Konzepte für sämtliche Gewerbegebiete entwickelt, damit eine positive Energiebilanz und die nachhaltige Entwicklung von Freiburgs Industrie und Gewerbe unterstützt werden. Ergänzend sollte ein ähnliches Programm gezielt für kleinere Gewerbebetriebe entwickelt werden, die über die gesamte Stadt verteilt sind.

Eigentum verpflichtet

Schon jetzt benötigt jedes Gebäude nach EU-Vorschrift einen Energieausweis. Dabei geht es allerdings nur um die Information für Käufer*innen und Mieter*innen. Wir wollen jedoch Anreize für alle Immobilienbesitzer*innen geben, damit diese die Energieeffizienz ihres Hauses verbessern. Dabei unterstützen wir insbesondere die Verwendung von ökologischen Dämmstoffen.

Cradle-to-Cradle als nachhaltiges Prinzip

Wir wollen, dass in Freiburg beim Bauen die Cradle-to-Cradle-Philosophie umgesetzt wird: Bereits im Planungsprozess sollen Baumaterialien so ausgewählt werden, dass sie nach dem Abriss von Häusern komplett wiederverwendet werden können. In diesem Kreislauf geht nichts verloren. Dies spart Rohstoffe und vermeidet Müll. Alle öffentlichen Gebäuden sollen daraufhin geprüft werden. Wir wollen private Bauherr*innen zu Crade-to-Cradle beraten. Und Dietenbach soll möglichst ein komplett Cradle-to- Cradle-zertifizierter Stadtteil werden.

Das Bauen und die Nutzung von Gebäude wollen wir in Zukunft noch stärker in mehreren Generationen denken: Dazu müssen diese flexibel in der Nutzung sein und der Aufwand für eine Umgestaltung sollte gering sein. Bei der Auswahl der Baustoffe gilt es, auf Hochwertigkeit zu achten. Denn nachhaltiges Bauen bedeutet zukunftsfähiges Bauen!

Bauen mit Holz: Hier sehen wir viel Potenzial. Wir möchten eine klima-optimierte Bewirtschaftung des Freiburger Stadtwaldes fördern, sodass möglichst viel CO2 in der lebenden Baum-Biomasse gebunden ist und gleichzeitig möglichst viel Holz produziert wird, um mit diesem Baustoff noch jahrzehntelang CO2 zu speichern.

Freiburg soll Welt-Klima-Hauptstadt werden. Wir Grüne haben dieses Ziel im Fokus. Wir sammeln Ideen aus allen Ländern, um sie in unserer Stadt als Klima-Labor umzusetzen und um andere zu inspirieren. Wir möchten nachweisen, dass eine klimagerechte Lebensweise möglich ist – weil wir die Erde von den nächsten Generationen nur geborgt haben.

Gesund Leben in Freiburg

Wir wollen die Agrar- und Ernährungswende vorantreiben, sauberes Trinkwasser sichern und Fessenheim abschalten!

Gesunde Lebensmittel aus der Region für die Region

Unsere Vision ist eine Agrarwende. Unser Ziel: Die Region um Freiburg soll auf ein umweltverträgliches und sozial gerechtes Ernährungssystem umgestellt werden. Das ist nur denkbar als gemeinsames Projekt mit den umgebenden Landkreisen. Für solche Projekte müssen alle an einem Strang ziehen. Gemeinsam mit den Landwirt*innen können wir das schaffen. Denn unsere Region hat keine großen Agrarfabriken, sondern eine kleinteilige Landwirtschaft, die wir sichern und stärken wollen. Wir wollen Rahmen setzen, aber auch Anreize und Hilfen bieten, damit sich die Umstellung mittelfristig rechnet. Damit die Diskussion um die regionale Versorgung auf dem Boden von Fakten geführt werden kann, fordern wir eine Studie in Auftrag zu geben – analog zur Studie der Stadt Hamburg –, aus welchem Umkreis Freiburg regional mit (biologischen) Lebensmitteln versorgt werden könnte. 

Wir als Freiburger Grüne wollen vorangehen und dafür sorgen, dass städtische Flächen ohne Pestizide bewirtschaftet werden. Bei Neuverpachtungen städtischer Grundstücke sollen umweltfreundliche und sozial verantwortungsbewusste Betriebe bevorzugt werden.

Landwirt*innen, die auf Bio-Anbau umsteigen möchten, sollen eine kostenlose Beratung erhalten. Wir möchten, dass die Stadt zusammen mit den Berufsorganisationen der Landwirt*innen eine Beratungsstelle ins Leben ruft. Wir wollen die regionale Produktion von Lebensmitteln durch bessere und sichere Absatzmöglichkeiten vor Ort stärken. In Kooperation mit dem Freiburger Ernährungsrat sollte mit den landwirtschaftlichen Betrieben geklärt werden, wie deren Absatz in der Region verbessert werden kann, z. B. durch lokale Markthallen für nachhaltige Produkte oder durch einen Vermarktungsverbund mit Handelsverbänden. Wir wollen eine Selbstverpflichtung der großen Handelsketten erreichen, einen bestimmten Prozentsatz Bio-Ware aus der Region zu beziehen.

Wir wollen, dass städtische Kantinen, Schulen und Kitas ihren Bedarf aus regionaler Bio-Produktion decken. Das bedeutet nicht nur eine gesündere Ernährung unserer Kinder, sondern ist auch gut für die Umwelt und die Förderung der ökologischen Landwirtschaft in unserer Region. Schulen und Kindergärten kirchlicher und freier Träger wie der Seelsorgeeinheit St. Georgen-Hexental zeigen, dass dies bereits heute möglich und bezahlbar ist. An einen solchen Nachfrageverbund können sich weitere Betriebe in der Stadt anschließen. Außerdem setzen wir uns für eine altersgerechte Information über regionale Lebensmittel ein. Als Lernorte bieten sich hier Kita, Kindergarten und Schule an.

Bereits jetzt gibt es ein Pestizidverbot in Kleingärten. Kleingärtner*innen brauchen jedoch mehr Beratung zu alternativen Bewirtschaftungsmöglichkeiten. Eine effektive Kontrolle sollte das Pestizidverbot zudem sichern.

Angesichts der Vermüllung der Weltmeere ist es unsere Aufgabe zu zeigen, wie man Plastikmüll vermeiden kann. Wir wollen eine Initiative der Stadt, die sichtbar macht, wie sich Verpackung von Lebensmitteln und anderen Waren einsparen lässt. Auch das Konzept für den Freiburg-Cup möchten wir weiterentwickeln und die Nachfrage steigern, etwa durch ein neues Vermarktungskonzept.

Sauberes Trinkwasser: unsere Lebensgrundlage

Sauberes Trinkwasser ist ein Menschenrecht. Die Trinkwasserversorgung gehört nicht in private Hände! Wir Grüne fordern, dass die Stadt Freiburg allen Bestrebungen entschieden entgegentritt, die Wasser zu einer x-beliebigen Ware macht.

Die Vermehrung resistenter Keime belastet das Trinkwasser – der Umgang von Ärzt*in-nen und Patient*innen mit Antibiotika bedarf größerer Aufklärung. Hier sollte die Stadt eine Informationskampagne starten. Problematisch ist vor allem die Entsorgung der Abwässer von Kliniken. Wir möchten, dass die Stadt beim Thema sauberes Trinkwasser sämtliche Einflussmöglichkeiten nutzt, um die Universitätsklinik bei nachhaltigen Lösungen zu unterstützen, wie es auch schon bei der Umstellung des Energieträgers für das Heizwerk der Uniklinik gelungen ist.

Fessenheim abschalten!

Bei einem großen Unfall im Atomkraftwerk Fessenheim würden viele Menschen in Südbaden ihre Heimat und ihre Existenz verlieren. Seit jeher fordern wir daher die Abschaltung des AKW Fessenheim. Die Stilllegung würde einen Verlust von Arbeitsplätzen auf französischer Seite bedeuten. Deshalb arbeitet das Regierungspräsidium Freiburg bereits mit Frankreich daran, den Menschen eine wirtschaftliche Alternative zu bieten. So soll etwa ein neues Gewerbegebiet entstehen. Wir wollen mit den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort ein starkes Bündnis bilden, um eine schnellstmögliche Schließung des mängelbehafteten Kraftwerks zu erreichen. Wir möchten zudem, dass die Stadt Freiburg eine aktive Rolle in einer Zukunftspartnerschaft übernimmt. Denkbar wäre ein Know-how-Transfer, insbesondere für ein ökologisch ausgerichtetes Gewerbegebiet.

Grün in der Stadt

Das Grüne Ganze im Blick: Natur als wichtiger Teil der Stadtentwicklung

Freiburg ist mit seiner traumhaften Lage eine der bevorzugten Städte in ganz Deutschland. Die Breisgau-Ebene, der Mooswald und die Berggipfel des Schwarzwaldes bilden die natürliche Kulisse der Stadt. Leben in und mit der Natur trägt auch zum Wohlbefinden im Alltag bei. Für uns Grüne ist klar: Stadtentwicklung muss Natur für die Menschen sichtbar und erfahrbar machen. Es ist wichtig, von jedem Stadtteil aus den Ausblick auf den Schwarzwald zu erhalten. Auch der Park um die Ecke oder ein Ausflug an die renaturierte Dreisam bedeuten pure Lebensqualität. Gleichzeitig ist eine begrünte Stadt aber nicht nur ein Wohlfühl-Thema, sondern entscheidend für die Gesundheit der Menschen und sollte deshalb strategisch angegangen werden. Grün kühlt die Stadt in Hitzesommern, verbessert die Luft, verringert den Lärm und rettet so Menschenleben!

Mehr Bäume in der Stadt

Bäume sind Sinnbild des Lebens, sie spenden Schatten, filtern die Luft und bieten Insekten und Vögeln eine Heimstatt. Auf Initiative der Grünen hat Freiburg bereits seit vielen Jahren eine Baumschutzsatzung. Diese besagt, dass das Fällen von Bäumen im Stadtgebiet ab einer bestimmten Größe explizit erlaubt werden muss. Bei einer unvermeidbaren Fällung werden Ersatzpflanzungen angeordnet. Nach wie vor gibt es leider viele Verstöße gegen die Baumschutzsatzung, die zuständige Verwaltungseinheit ist zu knapp ausgestattet. Das wollen wir ändern. Wir fordern, dass das Baum-Kataster der Verwaltung nicht nur Bäume auf öffentlichen Flächen aufführt, denn mittlerweile gibt es technische Möglichkeiten, um den Baumbestand auf allen Flächen in der Stadt zu überwachen. Gefällte Bäume sollen nicht 1:1 ersetzt werden, sondern entsprechend der weggefallenen Kronenfläche. Dazu sind Kontrollen notwendig.

Aufgrund des Klimawandels braucht es zudem noch mehr Bäume in der Stadt, um den Aufenthalt im öffentlichen Raum angenehm zu machen. Wir wollen, dass dieses bei jedem Bebauungsplan, den die Stadt erlässt, konkret umgesetzt und verbindlich festgeschrieben wird.

Grünflächen zur Erholung

Auch wir spüren den Druck, möglichst viele Wohnungen zu bauen, vor allem bezahlbare Wohnungen. Trotzdem muss Freiburg eine grüne Stadt bleiben. Wir wollen, dass Grün in jedem Stadtteil erlebbar ist, dass es viele Möglichkeiten für Freizeitaktivitäten und Erholung im Grünen gibt. Deshalb möchten wir die vielen Parks aufwerten, ebenso brachliegende Abstandsflächen zwischen (Hoch-) Häusern oder Verkehrsinseln. Außerdem wollen wir die Renaturierung der Dreisam fortsetzen und Fassadenbegrünung fördern, um das Stadtklima zu verbessern.

Als ein Ergebnis des Stadttunnel-Baus möchten wir die Dreisam als grünes Band durch die ganze Stadt führen. Verkehr raus – Entspannung rein. Die Grünflächen entlang der Dreisam und des Dreisamboulevards können einen unschätzbaren Erholungswert bieten. Gleichzeitig betonen wir nachdrücklich: Wenn der geplante Rückbau an der Ober-fläche nicht umgesetzt wird, ziehen wir Grüne unsere Unterstützung des Stadttunnels zurück. Außerdem fordern wir generell, Grün- und Freiflächen in der Stadt auszu-weiten und bereits bestehende aufzuwerten. Bei der Gestaltung von Freiflächen müssen die Interessen von Kindern und Jugendlichen berücksichtigt werden.

Ein Beispiel für weitere Grünflächen sind die Friedhöfe in der Stadt. Hier sind große und teils ungenutzte Flächen, die wir für die Anwohner*innen behutsam auch für eine Nutzung öffnen möchten. Die Aktivitäten auf dem Alten Friedhof in Herdern sind hierfür ein gutes Beispiel. Wir wollen außerdem prüfen lassen, ob es nicht auch in Freiburg künftig eine naturnahe Begräbnisstätte im Wald, einen Ruhewald, geben kann.

Der Freiburger Stadtwald besitzt einen sehr großen Erholungswert für die Menschen in Freiburg und muss naturschutzorientiert und bodenschonend bewirtschaftet werden, um seinen Wert langfristig zu sichern und die Biodiversität zu erhalten bzw. zu fördern.

Freiburg hat auch darüber hinaus viele grüne Inseln – sie leisten einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz. Viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten finden Nischen in der Stadt, vertrieben von den Monokulturen der umgebenden Landwirtschaft. Bei der Bewirtschaftung städtischer Grünflächen möchten wir, dass auf den Artenschutz Rücksicht genommen wird. Das beginnt bei einer weitmaschigeren Mahd des sogenannten „Straßenbe- gleitgrüns“ und endet bei der Ausweisung zusätzlicher Naturschutzgebiete. Als nächsten Schritt möchten wir nun endlich das Naturschutzgebiet Schangen-Dierloch bei Hochdorf umsetzen. Dabei gilt es natürlich, die Anregungen der Hochdorfer Bevölkerung, beispielsweise bei der Holzbewirtschaftung, zu berücksichtigen.

Gärtnern in der Stadt mit viel Erholungswert

Eine Umfrage hat ergeben, dass sich rund ein Viertel der Bevölkerung in Freiburg wünscht, in der Stadt zu gärtnern. Neben den vielen Privatgärten gibt es rund 3.500 Kleingarten-Parzellen auf städtischen Grundstücken, die zu 90% durch ehrenamtliche Kleingartenvereine betreut werden. Die Kleingärten dienen der ortsnahen Versorgung von Familien und der Entspannung. Sie leisten einen wichtigen Beitrag für das Stadtklima und den Schutz bedrohter Arten. Und für viele sind sie der ideale Urlaubsort.

Wir können nicht verhindern, dass der Bau neuer Wohnungen viele der bestehenden Kleingartengebiete verdrängen wird. Trotzdem soll es Kleingärten in Freiburg weiterhin geben, nach Möglichkeit auch wohnortnah.

Wir wollen gemeinschaftliche Formen des Gärtnerns voranbringen, beispielsweise Mieter*innen-Gärten bei großen Wohnblocks und zeitlich begrenzte Gartennutzungen, beispielsweise für Familien, die ihren Kindern das Gärtnern nahebringen wollen. Ebenso wie Gemeinschaftsgärten oder „Urban Gardening“, an dem sich jede*r beteiligen kann, der/die Lust zum Anpflanzen und Ernten hat, ohne sich auf Dauer zu binden.

Zudem könnten Dachflächen neu errichteter Gebäude teilweise als Garten genutzt werden. Die Dachflächen werden zwar auch für Photovoltaik-Anlagen gebraucht, wir sind aber zuversichtlich, dass mit einem zunehmenden Wirkungsgrad der PV-Module die für die Stromversorgung des Gebäudes benötigte Dachfläche abnimmt.

Schlüsselmaßnahmenfür ein grünes Freiburg

Verkehrswende:90 % der Wege in unserer Stadt sollen zu Fuß, mit dem Rad, der Tram oder dem Bus zurückgelegt werden – deshalb stärken wir den ÖPNV und bauen Fuß- und Radwege aus.

Vision Zero: Keine Verkehrstoten mehr. Der erste Schritt soll ein Modellprojekt „sichere Schulwege“ sein.

Klimahauptstadt werden:Den Umstieg auf saubere Energie konsequent vorantreiben und Dietenbach als Plus-Energie-Stadtteil realisieren.

Agrarwende:Den Bio-Landbau ausbauen und Landwirte von der Umstellung auf Bio bis zur Vermarktung unterstützen.

Grün in der Stadt:Baumbestand in der Stadt schützen und mehr Bäume pflanzen, Grünflächen erhalten und ökologisch sinnvoll weiterentwickeln, Urban Gardening unterstützen.

Stadt am Fluss: Die Dreisam weiter renaturieren und mit dem Bau des Stadttunnels einen „Dreisamboulevard“ mit hoher Lebensqualität schaffen.