Die gerechte Stadt

Eine Stadt für alle

Wir wollen ein Freiburg, dem sich die Menschen zugehörig fühlen und in dem die Menschen Perspektiven entwickeln. Wir wollen eine Stadt, in der nicht der Geldbeutel, die soziale Herkunft, die ethnischen Wurzeln oder ein Handicap über die Zukunft entscheiden. Bildungschancen unabhängig von der sozialen Herkunft sind der entscheidende Faktor für gesellschaftliche Gerechtigkeit und Zukunftsfähigkeit – gerade in einer Stadt der Bildung und Wissenschaft. Vielmehr sollen die Wünsche und Potentiale jeder und jedes Einzelnen die individuelle Zukunft bestimmen. Dafür wollen wir Grüne die Rahmenbedingungen schaffen.

Wir haben uns deshalb in den vergangenen Jahren für den bedarfsgerechten Ausbau von Ganztagskitas und -schulen sowie für Quartiers- und Familienzentren eingesetzt, ebenso wie für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Hinblick auf die Sorgearbeit für Kinder wie für pflegebedürftige Eltern.

Sozialräumliche Ungleichheiten sowie die Vielfalt von Lebensentwürfen und Lebens-lagen erfordern immer wieder ein neues Verständnis des sozialen Miteinander. Deshalb setzen wir uns für eine integrative Sozialplanung ein, die Zivilgesellschaft und Sozialverwaltung an einen Tisch bringt. 

Nachhaltigkeit hat nicht nur eine ökologische und ökonomische Bedeutung, sondern auch eine soziale. In unserem wachsenden Freiburg werden wir Grüne uns dafür einsetzen, dass die soziale Infrastruktur permanent angepasst wird. Dies muss eingeplant und finanziert werden.

Gute Bildung, starke Familien

Individuell fördern, Vereinbarkeit ermöglichen

Unser Ziel: Gelingende Bildungsbiographien für alle, von der Kita über Schule und Ausbildung bis ins Berufsleben. Im Mittelpunkt steht der einzelne Mensch mit seinen Stärken, Schwächen und unterschiedlichen Lerngeschwindigkeiten. Jedes Kind ist einzigartig und hat ein Recht darauf, individuellgefördert zu werden. Die pädagogische Gestaltung von Vielfalt und das Bemühen um den Ausgleich sozialer Unterschiede sind der Kern unserer Bildungspolitik.

Gute Startbedingungen schaffen

Auf den Anfang kommt es an: Alle Kinder sollen in Freiburg gute Startchancen haben, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft. Deshalb investieren wir in ihre bestmögliche Förderung, den Ausbau von Kindertageseinrichtungen mit hohem Bildungsanspruch und gut ausgebildeten pädagogischen Fachkräften. Die Qualität von Kitas steht für uns ganz vorn. Dazu gehören ein guter Personalschlüssel und eine verbindliche Umsetzung pädagogischer Qualitätskriterien. Beteiligung für Kinder ist für uns selbstverständlich, denn Kinderbetreuungseinrichtungen sind für uns Kinderstuben der Demokratie.

Mit sozial gestaffelten Beiträgen und Beitragsfreiheit für Familien mit geringem Einkommen wollen wir sicherstellen, dass sich alle Familien die Betreuungsangebote leisten können. In der Praxis stoßen aber nach wie vor insbesondere Eltern mit mehreren Kindern bei den Kitagebühren an ihre finanziellen Grenzen. Wir werden die Befreiungs- und Ermäßigungsgrenzen überprüfen, sodass deutlich mehr Eltern einen ermäßigten oder keinen Beitrag bezahlen müssen. 

Für uns haben der Ausbau und die Verbesserung der Kitaplätze sowie eine bessere Bezahlung der Erzieher*innen oberste Priorität. Wir wollen die Kitas zu frühkindlichen Bildungseinrichtungen und Familienzentren weiterentwickeln. Hierfür bedarf es mehr Ressourcen, wofür die Kommunen mehr finanzielle Unterstützung von Bund und Land benötigen. Erst dann können wir unser langfristiges Ziel, Kitas als Basis unseres Bildungssystems beitragsfrei zu stellen, ernsthaft in den Blick nehmen.

Familie und Beruf in Einklang bringen

Familien leisten unglaublich viel. Im Alltag ist es für Eltern jedoch oft schwierig, Familie und Beruf erfolgreich zu verbinden. Sie wollen mit voller Aufmerksamkeit für die Kinder da sein, sich im Beruf engagieren, sich den eigenen Eltern widmen – oder einfach mal Zeit für sich haben. Besonders Alleinerziehende verdienen unseren Respekt. Wir wollen sie entlasten, indem wir passende Angebote schaffen.

Freiburg wächst und die Kinderbetreuung wächst mit. Jahr für Jahr werden Kitas aus-, um- und neugebaut. Alle Drei- bis Sechsjährigen haben in Freiburg einen Betreuungsplatz. Um Inklusion in den Kitas umsetzen zu können, haben wir zusätzliche Stellenanteile für Fachkräfte geschaffen. Wir werden sie in den nächsten Jahren weiter erhöhen.

Wir haben viel erreicht und noch viel mehr vor: Der Ausbau der Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren muss schneller gehen. Heute gibt es dreimal so viele Kitaplätze wie noch vor zehn Jahren. Unser Ziel war eine Versorgungsquote von 50 Prozent. Eine Punktlandung wurde nur deshalb nicht erreicht, weil in Freiburg – erfreulicherweise – mehr Kinder geboren werden als erwartet.

Für die kommenden fünf Jahre ist unser Ziel, jedem Kind unter drei Jahren bei Bedarf einen verlässlichen und wohnortnahen Kitaplatz zur Verfügung zu stellen.

Auch die Schulkindbetreuung, eine freiwillige Leistung der Stadt Freiburg, wird in rasantem Tempo ausgebaut. Heute sind so gut wie alle Freiburger Grundschulen mit Ganztagsangeboten versorgt. Mit gut ausgebildeten Fachkräften, Sprachförderung und Standards für gesundes Essen sorgen wir für mehr Qualität. Da aber auch hier die Nachfrage größer als das Angebot ist, wollen wir zügig neue Plätze schaffen. Damit dies funktioniert, brauchen die Grundschulen schnell mehr Raum für Nachmittagsbetreuung und Mittagessen. Und wir verfolgen auch weiterhin konsequent unser Ziel, mehr Schulen zu Ganztagsschulen mit passendem pädagogischem Konzept auszubauen.

Der Ausbau der Kitaplätze und der Schulkindbetreuung gerät aber mangels qualifizierten Personals bereits heute häufiger an seine Grenzen. Dem Fachkräftemangel wollen wir mit Strategien zur Personalgewinnung und -haltung begegnen. Damit haben wir bereits bei den städtischen Kitas durch die Ausweitung der dualen und bezahlten Erzieher*innen-Ausbildung (PiA) begonnen. Die Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum für soziale Berufe ist auf dem Weg.

Kein Kind darf verloren gehen

Viel zu oft entscheidet auch heute noch die Herkunft eines Kindes über Bildungschancen und späteren Erfolg im Leben. Wir brauchen aber die Ideen und die Energie aller jungen Menschen. Deshalb haben wir vor sechs Jahren das „Freiburger Bildungspaket“ auf den Weg gebracht. Dies ist ein wichtiger Teil unserer grünen „Bausteine gegen Kinderarmut“: 200.000 Euro stehen den Schulen jährlich zur Verfügung, um Kinder durch Zusatzangebote zu fördern, wie z. B. Bewegung, Theater oder Musik.

Das Bildungspaket ist ein voller Erfolg. Deshalb wollen wir es weiterentwickeln. Auch die „Durchgängige Sprachbildung“, ein er-folgreiches Pilotprojekt in zwei Stadtteilen, wollen wir allen Kitas und Schulen zur Verfügung stellen, deren Kinder es benötigen. Zudem haben wir dafür gesorgt, dass es jetzt an allen Freiburger Schulen Schulsozialarbeit gibt. Wir setzen uns dafür ein, dass bei dringendem Bedarf zusätzliche Kräfte zur Verfügung gestellt werden.

Schulgebäude mit Zukunft

Neubau, Sanierung, Erweiterung und Modernisierung: Freiburg investiert viel in die schulische Zukunft. 300 Millionen Euro hat die Stadt in den letzten Jahren in die Schulen gesteckt. Noch einmal die gleiche Summe wird in den nächsten Jahren erforderlich sein. Der dickste Brocken ist dabei der Neubau der Staudinger Gesamtschule für rund 100 Millionen Euro. Weitere Investitionen sind nötig, um die beruflichen Schulen auszustatten, Inklusion umzusetzen, die Nachmittagsbetreuung an den Grundschulen auszubauen und mehr Ganztagsschulen einzurichten. Die Einrichtung schuleigener Gärten wollen wir unterstützen, denn diese ermöglichen Schüler*innen einen intensiveren Kontakt zur Natur. Bei der Planung von Schulsanierungen und -umbauten wollen wir die Schüler*innen stärker beteiligen – denn diese sind schließlich die Hauptnutzer*innen.

Investitionen in die Freiburger Schulen haben oberste Priorität für uns – und im städtischen Haushalt. Dafür haben wir gesorgt und wir werden weiter dranbleiben! 

Wir setzen uns für ein weiterführendes Bildungsangebot am Tuniberg ein, das den Bedürfnissen der Kinder, der Familien und der betroffenen Stadtteile gerecht wird. Alle Kinder aus den Ortschaften am Tuniberg sollen nahe an ihrem Wohnort eine Schule besuchen können, die ihnen alle Sekundarschulabschlüsse einschließlich des Besuchs der Sekundarstufe II ermöglicht.

Digitalisierung voranbringen

In der Schule der Zukunft wird es nicht nur darum gehen, was, sondern auch wie gelernt wird. Daher wird Medienkompetenz als technische, kulturelle und soziale Fähigkeit immer wichtiger. In den neuen Bildungsplänen Baden-Württembergs ist digitale Bildung als Leitperspektive verbindlich verankert.

Medienpädagogische Konzepte der Freiburger Schulen sind hierfür genauso notwendig wie eine enge Verzahnung von pädagogischen Inhalten, didaktischer Konzeption und technischen IT-Strategien. Um Medienkompetenz vermitteln zu können, brauchen die Schulen nicht nur kompetente Lehrkräfte, sondern auch eine moderne mediale Aus-stattung. In den nächsten Jahren müssen mehrere Millionen Euro in die schulische IT-Infrastruktur investiert werden. Wartung und Support werden hohe laufende Kosten verursachen. Als Schulträger muss die Stadt IT- Fachkräfte für die städtischen Schulen einstellen. Dringend notwendig ist hierfür eine nachhaltige finanzielle Beteiligung von Bund und Land.

Wir wollen die Freiburger Schulen fit für die Digitalisierung machen und setzen uns dafür ein, dass digital unterstütztes Lernen in der Schule zu jeder Zeit möglich ist. Wir lehnen ein generelles Verbot von Smartphones und WLAN an Schulen ab und begleiten Schulen bei der sinnvollen Integration dieser Geräte in den Unterricht. Für eine nachhaltige Digitalisierungsstrategie braucht es mehr als die Ausstattung mit Geräten und spektakuläre Einzelprojekte. Über das von der Stadt mitgetragene Kreismedienzentrum müssen erfolgreiche Unterrichtskonzepte dauerhaft für alle Schulen nutzbar gemacht werden.

Länger gemeinsam lernen: Bildungscampus Dietenbach

Ein neuer Stadtteil braucht Innovation: Hier entsteht die Schule der Zukunft. Sie ist inklusiv und bietet jedem Kind von der Kita bis zum Abitur optimale Lernbedingungen.

Leitgedanke ist eine leistungsstarke und sozial gerechte Schule, in der die Kinder unter professioneller Anleitung nach ihren individuellen Voraussetzungen lernen und gefördert werden. Selbstorganisiertes Arbeiten in Lernateliers und kooperatives Lernen in kleinen Gruppen gehören zum pädagogischen Konzept. Multiprofessionelle Teams unterstützen die Lernprozesse. Alle Bildungsabschlüsse sind möglich, ob Werkreal- und Realschulabschluss oder Abitur. Wir wollen unsere Kinder fit für die Zukunft machen: Längeres gemeinsames Lernen, individuelle Förderung und inklusive Beschulung weisen den Weg!

Bildung europäisch denken

Seit 2016 können Studierende am Europäischen Campus zwischen Basel, Straßburg, Karlsruhe und Freiburg studieren. Wir Grüne wollen uns dafür einsetzen, dass auch schon im früheren Alter Bildung europäisch gedacht wird. Eine räumliche Zusammenführung der deutsch-französischen Bildungs- einrichtungen von Krippe bis Gymnasium und des französischen Kulturinstituts wollen wir prüfen.

Kindern und Jugendlichen zuhören

Kinder und Jugendliche haben ein Recht, bei den sie betreffenden Fragen gehört zu werden. Kinder- und Jugendbeteiligung ist weit mehr als ein wichtiger Bestandteil der Demokratiebildung von jungen Menschen. Gerade in Freiburg als einer der jüngsten Städte Deutschlands sollten die Belange von Kindern und Jugendlichen eine wichtige Rolle spielen und Gehör finden. Wesentliche Verantwortung bei der Umsetzung von Kinder- und Jugendbeteiligung haben in Freiburg das Kinderbüro, der Kinderbeirat, das Jugendbüro, der Gesamtschülerrat und der Stadtjugendring. Wir haben uns in den letzten Jahren für mehr Freiräume für Jugendliche, für die Stärkung des Jugendbüros, das Projekt 8er-Rat und die Sanierung des Hauses der Jugend eingesetzt, ebenso für ein eigenständiges Mädchenbüro mit hauptamtlichen Mitarbeiter*innen. In den kommenden Jahren wollen wir die konsequente Beteiligung von Kindern und Jugendlichen weiter vorantreiben. 

Die UN-Kinderrechtscharta ist für uns dabei handlungsleitend. Wir möchten eine Stabstelle für Kinder- und Jugendbeteiligung als feste Anlaufstelle in Freiburg einrichten. Diese soll sicherstellen, dass Kinder und

Jugendliche bei Entscheidungen des Gemeinderats und bei der Durchführung von Vorhaben der Verwaltung mit einbezogen werden. Wir wollen Kinder und Jugendliche direkter in die Entscheidung des Gemeinderats einbinden. Ähnlich wie beim Einwoh-ner*innenantrag sollen Kinder und Jugendliche die Möglichkeit bekommen, durch Unterschriftensammlung Themen auf die Tagesordnung zu setzen und diese als Initiator*innen im Gemeinderat bzw. in zuständigen Ausschüssen vorzustellen. 

Besonders forcieren werden wir die Beteiligung von Mädchen. So etwa durch die Einführung von Diskussionsforen, die Mädchenanliegen stärker Gehör verschaffen. Wir möchte das Informationsangebot für städtische Themen für Kinder und Jugendliche verbessern, etwa durch eine Kinderseite im Amtsblatt und angepasste Angebote in den sozialen Medien. Wir möchten darüber hinaus die Beteiligungskompetenz in Schulen, Kitas und bei Angeboten der Jugendhilfe ausbauen.

Inklusives Freiburg

Wir fördern Teilhabe und Barrierefreiheit. Freiburg hat sich spürbar in Richtung einer „inklusiven Stadt“ entwickelt. Möglich wurde dies durch zweijährige Aktionspläne mit vielen hundert Maßnahmen zur Etablierung einer barrierefreien Infrastruktur sowie durch einen von den Grünen initiierten Grundsatzbeschluss. Die Fortführung dieser Prozesse werden wir weiter tatkräftig einfordern und unterstützen. So wollen wir den neuen Stadtteil Dietenbach sowie neue Quartiere wie Kleineschholz oder Längenloh Süd inklusiv und in allen Bereichen unter Beteiligung von Menschen mit Behinderung entwickeln. Dabei helfen barrierefreie Standards natürlich auch älteren Menschen und Eltern mit kleinen Kindern. Wir fordern politische Teilhabe für Menschen mit Behinderungen. und wollen den Behindertenbeirat stärken.

Eine barrierefreie Stadt kommt allen zugute, damit verbunden ist auch eine sehr deutliche Förderung des Fußverkehrs. Hier gibt es auch in Freiburg noch erheblichen Nachholbedarf. Dies zeigt sich auch daran, dass in der Verwaltung eine einzige Person gleichzeitig Fuß- und Radverkehrsbeauftragte ist.

Wir wollen den weiteren Ausbau von barrierefreien Haltestellen sowie von Ampelanlagen für Sehbehinderte und die Absenkung aller Gehwege an Kreuzungen. Auch alle Behörden und Ämter und Zugänge zu amtlichen Formularen müssen barrierefrei sein. Und Barrierefreiheit muss darüber hinaus bei allen Gebäuden gewährleistet werden, die von der Stadt Freiburg Investitionszuschüsse erhalten, wie Vereinsheime oder kirchliche Einrichtungen. Die Stadt Freiburg soll sich weiterhin für einen möglichst zügigen bar-rierefreien Umbau des Freiburger Hauptbahnhofs einsetzen. Wir fordern die Stadt Freiburg, die Universität und die Kirchen als größte Arbeitgeber*innen der Stadt auf, ihrer Vorbildfunktion als inklusive Arbeitgeber-*innen gerecht zu werden und dies tatkrätig auszubauen.

Voraussetzung jeder Inklusionspolitik ist eine Sensibilisierung der Bevölkerung gegenüber beeinträchtigten Menschen. Teilhabe sollte im Alltag selbstverständlich sein. Bei allen öffentlichen Veranstaltungen müssen Gebärdendolmetscher*innen beteiligt werden. Veranstaltungssäle für Vorträge wie Konzerte sollen mit induktiven Höranlagen ausgestattet bzw. nachgerüstet werden, damit hörgeschädigte Menschen auch an öffentlichen Veranstaltungen teilnehmen können.

Solidarische Stadtteile und Quartiere: gesellschaftlichen Zusammenhalt vor Ort stärken

Soziale Politik wird besonders in den Stadtteilen konkret, die für viele der Lebensmittelpunkt sind. Das generationenübergreifende Miteinander gewinnt dabei immer mehr an Bedeutung. Anliegen der Grünen ist es, Quartiere und Sozialräume zu stärken, in denen dies möglich ist. In den vergangenen Jahren haben wir deshalb (neue) Stadtteilbüros und Familienzentren unterstützt sowie die Weiterentwicklung der Quartiersarbeit und deren ausreichende Finanzierung eingefordert.

Begegnungszentren unterstützen das Zusammentreffen von Menschen, die sich dann auch oft für eine ehrenamtliche Mitarbeit entscheiden. Das stärkt Quartiere und deshalb wollen wir schrittweise mehr Begegnungsstätten in den Freiburger Stadtteilen und Ortschaften realisieren.

Wir wollen die soziale Infrastruktur in den Stadtteilen unter Beteiligung der Betrof-fenen weiterentwickeln. Ein wichtiger Baustein ist für uns Grüne die Förderung von Kooperationen zwischen Institutionen wie etwa Stadtteilbüros, Seniorenbegegnungsstätten, Kindertageseinrichtungen und Jugendzentren. Außerdem möchten wir die Vernetzung von Angeboten für Ältere, Familien und Migrant*innen stärken, wovon alle Seiten profitieren können: Senior*innen z. B. durch Nachbarschaftshilfe und alltagsentlastende Angebote und Eltern durch Kinderbetreuung in den Randzeiten oder Mittags- tische. Wir wollen in den Stadtteilen konsumfreie und kostenlose Begegnungsmöglichkeiten und Räume für alle Generationen einrichten.

Die gesunde Stadt: Wir etablieren eine kommunale Gesundheitsstrategie

Das Thema Gesundheit gewinnt immer mehr an Bedeutung. Wir leben in einer Zeit, in der die Menschen immer älter werden und der Gesundheitszustand insbesondere von Kindern von ihrem sozialen Status abhängt. Feinstaub und Stickoxide belasten die Luft und unsere Atemwege. Nitrat verunreinigt das Trinkwasser und Pestizide vergiften unsere Nahrungsmittel. Auch wenn die grundsätzlichen Weichenstellungen durch Bund und Land erfolgen: Gesundheitspolitik betrifft Stadt- und Quartiersentwicklung, Verkehrsplanung, Einrichtung von Bildungs- und Sozialangeboten und Wirtschaftsförderung.

Aus grüner Sicht kann und soll die Kommune daran mitwirken, dass Risiken und Belastungen für die Bevölkerung minimiert werden. Daher wollen wir in der kommenden Legislaturperiode das Thema Gesundheit auch kommunal zu einem Schwerpunkt machen. Auch wirtschaftspolitisch ist das sinnvoll, weil Freiburg ein Zentrum der Gesundheitswirtschaft und des Gesundheitstourismus ist.

Wir wollen, dass die Menschen in Freiburg in einer Stadt leben können, die zu ihrem Wohlergehen beiträgt und ihre Gesundheit unterstützt. Deshalb möchten wir eine kommunale Gesundheitsstrategie etablieren und in einem ersten Schritt einen Gesundheitsbericht einfordern, der eine sozialraumbezogene Bestands- und Bedarfsanalyse bietet.

Die im Sommer 2018 gegründete regionale Gesundheitskonferenz unterstützen wir auf ihrem Weg zu einem Instrument nachhaltiger Gesundheitsvorsorge und streben auch eine enge Zusammenarbeit mit der städtischen Pflegekonferenz an. Ein jährlicher Bericht der Gesundheitskonferenz an die Gemeinderäte soll über die Entwicklungen informieren und auch die Weitergabe von Problemlagen an die Landes- und Bundesebene ermöglichen.

Auch in Freiburg leiden Menschen unter Schadstoffen und Lärm, für die der Verkehr verantwortlich ist. Auch bei uns führen diese bei Kindern und Erwachsenen zu Atemwegserkrankungen und einer Einschränkung der Lebenserwartung. Deshalb setzen wir uns für eine entschlossene Verkehrswende ein. Im ganzen Stadtgebiet sollen die Grenzwerte für Feinstaub- und Stickoxide deutlich unterschritten werden. Wir warten dazu nicht auf Gerichtsbeschlüsse, die uns zum Nötigsten zwingen, sondern wollen die dreckigsten Autos von allen Straßen in Freiburg verbannen – dazu zählt auch die B31.

Besonders wichtig ist uns, dass unsere Kinder gesund aufwachsen können – deswegen machen wir uns für gesundes Essen in Kita und Schule stark. 

Die psychische Gesundheit aller Bevölkerungsgruppen liegt uns am Herzen und wir setzen uns entschieden gegen die Ausgrenzung von Menschen mit psychischer Erkrankung ein. Wir möchten außerdem Maßnahmen gegen die Zunahme psychischer Erkrankungen bei Schüler*innen fördern und setzten uns für sichere und drogenfreie Schulen und Schulhöfe ein. Suchtberatungsstellen müssen ausreichend finanziert werden, einen Schwerpunkt legen wir auf Präventionsangebote. Das gilt auch für suchthaften Online- und Medienkonsum sowie pathologisches Glückspiel. Als präventive Maßnahme soll auch die Vergnügungssteuer wie bisher regelmäßig anpasst werden. Wir werden prüfen, ob Freiburg einen Raum für cleanen Drogenkonsum benötigt.

Erste Hilfe rettet Leben. Verglichen mit anderen Ländern sterben in Deutschland zu viele Menschen an einem Herzstillstand, weil zu wenig Umstehende helfen. Deshalb wollen wir die Angebote für Erste-Hilfe-Kurse ausweiten – besonders für Schüler*innen. Auch technisch ist mehr möglich – z. B. durch innovative Ersthelfer*innen-Apps oder bessere Leitstellentechnik.

Bewegung ist gesund! Breitensportförderung findet bei uns immer ein offenes Ohr. Dringend benötigen die Gesundheitsberufe eine Aufwertung. Um Müttern und Neugeborenen genügend Unterstützung nach der Geburt zu geben, bedarf es ausreichend Hebammen, die von ihrem Einkommen leben können.

Ältere Menschen: Selbstbestimmt leben und Unterstützung bekommen ganz in der Nähe

Altersgerechte Quartiersentwicklung, neue Wohnformen, (Aus-)Bau barrierefreier Wohnungen, alltagsnahe Begegnungsmöglichkeiten und verlässliche Nachbarschaften – all dies ist wichtig für ältere Menschen, die in ihrer gewohnten Umgebung selbstbestimmt leben möchten. Doch auch für den Fall, dass sie sich nicht mehr selbst versorgen können oder krank und pflegebedürftig werden, brauchen sie eine geeignete Infrastruktur. Es müssen seniorengerechte, haushaltsnahe Dienste und wohnortnahe Pflegeeinrichtungen zur Verfügung stehen, die eine Rückkehr in das eigene Zuhause ermöglichen. Regionale Pflegekonferenzen sind ein guter Weg, um passgenau entsprechende Angebote aufzubauen. Ein Pflegemix unterstützt zudem die Angehörigen bei der Pflege. 

Wir Grüne wollen Initiativen und Senior*innengenossenschaften in den Stadtteilen unterstützen, damit der gewohnte räumliche Bezug für ältere Menschen erhalten bleiben kann. Konzepte wie z. B. „Flächendeckende Hausbesuche“ machen es möglich, Versorgungslücken zu entdecken und einsame Menschen zu erreichen. So wird Teilhabe auch für ältere Menschen im Quartier gesichert. Wir brauchen außerdem einen Anreiz für Pflegekräfte, nach Freiburg zu kommen. Dafür müssen wir bezahlbaren Wohnraum bereitstellen, familienfreundliche Strukturen ausbauen und durch gezielte Kampagnen Nachwuchskräfte in der Gesundheitswirtschaft gewinnen. Wir möchten außerdem den Ausbau und die Weiterentwicklung von Angeboten und Konzepten zur Unterstützung und Entlastung von pflegenden Angehörigen vorantreiben.

Damit Bauvorschriften für barrierefreies Bauen künftig besser eingehalten werden, fordern wir dringend mehr Schulungsangebote über gesetzliche Vorgaben für Architekt*innen, Bauträger*innen und die Bauverwaltung – so erhalten wir adäquate Gebäude im Interesse Älterer, aber auch von Kindern und Menschen mit Behinderung.

Hilfe für Wohnungslose: Solidarität mit Menschen in großer Not

Die Wohnungslosenhilfe ist in den letzten Jahren ausgebaut worden. Sie ist zu einem wichtigen Pfeiler in der städtischen Wohnungspolitik geworden. Junge Wohnungslose werden seither stärker in den Blick genommen und erhalten abgestimmte fachliche Unterstützung sowie Integrationsangebote für berufliche Perspektiven. Wohnungskündigungen wurden minimiert und Familien durch Wohnungskontingente im sozialen Wohnungsbau aufgefangen. Oberste Priorität hat für uns die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Rund einem Drittel der wohnungslosen Menschen wäre mit einer entsprechenden bezahlbaren Wohnung geholfen, doch die Wohnungsnot verstopft die Hilfesysteme. Das zentrale Thema „Wohnen“ hat in diesem Programm ein eigenes Kapitel. (s. Die bezahlbare Stadt)

Wir möchten in akuten Notsituationen insbesondere auch wohnungslosen Frauen und jungen wohnungslosen Menschen konkret helfen, indem wir passende Angebote zur Verfügung stellen.

Besonders wichtig für junge Menschen sind dabei Angebote, die den Tagesablauf strukturieren. Außerdem möchten wir barrierefreie Plätze in der Wohnungslosenhilfe schaffen und eine maßgeschneiderte Begleitung für Menschen mit psychischen Schwierigkeiten ermöglichen. Die zahlreichen Netzwerke und Vereine, die Wohnungslose betreuen, verdienen die tatkräftige Unterstützung der Stadt. Eine weitere wichtige Maßnahme ist eine niedrigschwellige gesundheitliche Versorgung sowie Krankenversicherungsschutz auch für wohnungslose Menschen mit Migrationshintergrund. Die vorsorgende Beratung des Jobcenter muss qualitativ dringend gestärkt werden, damit hilfsbedürftig gewordene arbeitslose Menschen nicht im Strudel der Verarmung und Verschuldung zu weiteren obdachlosen Menschen werden.

Schlüsselmaßnahmen für ein gerechtes Freiburg

Inklusive Stadt: Inklusion ist uns ein Herzensanliegen. Barrierefreiheit wird in allen Bereichen der Stadt zum Standard, das hilft auch älteren Menschen und Familien mit Kindern.

Länger gemeinsam lernen in der Bildungsstadt: Am Tuniberg und im neuen Stadtteil Dietenbach auf dem Bildungscampus wollen wir die Schule der Zukunft verwirklichen. Sie ist leistungsstark und sozial gerecht, längeres gemeinsames Lernen und individuelle Förderung gehören dazu.

Familienfreundliche Stadt: Die Betreuungsplätze für unter dreijährige Kinder werden in den kommenden Jahren bedarfsgerecht und wohnortnah in hoher Qualität weiter ausgebaut. Wir gehen inzwischen von einer Betreuungsquote von 70 % aus.

Jugendbeteiligung: Wir wollen ein Konzept der Jugendbeteiligung mit Mädchen und Jungen in allen Bereichen der Kommunalpolitik erstellen und verwirklichen.

Gesunde Stadt: Wir führen eine Freiburger Gesundheitsstrategie ein, die gesundheitliche Belastungen der Bevölkerung durch verpestete Luft und motorisierten Verkehr minimiert und gesunde Ernährung in Kita und Schule fördert.

Lebensqualität im Alter: Wir stärken Stadtteile und Quartiere durch substantielle und finanzielle Unterstützung von Initiativen im Bereich ‚Älter werden im Quartier‘ sowie den Ausbau pflegenaher Strukturen.

Wohnungslose Unterstützen: Wir wollen bezahlbaren Wohnraum auch für wohnungslose Menschen, und außerdem den Ausbau tagesstrukturierender Angebote für junge Wohnungslose, damit die Integration in Beruf und Gesellschaft gelingt.