Transparenz fordern – Regionalität fördern

Wie regional ernährt sich Freiburg? Dass diese Frage nicht so einfach zu beantworten ist, machte Christian Hiß, Vorstandsvorsitzender der Regionalwert AG, bei der Mitgliederversammlung der Freiburger Grünen am Donnerstag, 16. März, deutlich. Zu undurchsichtig seien die Wertströme und Lieferketten. Insbesondere die großen, deutschen Lebensmittelmärkte würden es bisher ablehnen, diese offenzulegen. Doch schwierig wird es nicht nur im Discounter, nachzuvollziehen, woher die Lebensmittel kommen – selbst der heimische Kolrabi, den die Bauersfrau auf dem Münstermarkt feilbietet, sei nicht hundertprozent regional, machte Hiß deutlich: Der Samen werde in China vermehrt, der Torf für den Anbau der Setzlinge stamme aus russischen Mooren. „Fragen Sie doch mal die Bauersfrau, woher sie die Setzlinge bezieht“, forderte er die Grünen Mitglieder auf. Nachfragen, Transparenz fordern, Konsumbilanzen offenlegen – das sind die ersten Schritte in Richtung einer regionalen Ernährungssouveränität, so kristallisierte sich die Kernbotschaft Hiß‘ heraus. Dabei sei Souveränität nicht mit Autarkie gleichzusetzen: Es gehe, so Hiß, nicht darum, wieder zu vorindustriellen Betriebsformen zurück zu finden, sondern darum, zunächst Zugang zu Daten zu erhalten, um sich bewusster entscheiden zu können. Der Trend zeige, dass die Konsumenten bereits viel Wert auf Regionalität legten. Erreichen könne man diese, indem man funktionale Merkmale der damaligen bäuerlich-autarken Familie auf eine ganze Region übertrage – und so regionale Wirtschafträume schaffe, in denen Merkmale des modernen ökologischen Landbaus und der Industrialisierung, die die Landwirtschaft spätestens mit Beginn des 20. Jahrhunderts erreicht hat, zusammenspielen. Hier setzt auch die Regionalwert AG Freiburg an, die Christian Hiß 2006 gegründet hat.

Wie wichtig ein Umdenken in der Landwirtschaft ist, machte Reinhold Pix, Grüner Landtagsabgeordneter im Wahlkreis Freiburg I und Mitglied im Ausschuss Ländlicher Raum und Verbraucherschutz, anhand des rasanten Insektenschwundes in den vergangenen Jahren deutlich. In fünf Jahren als Regierungspartei in Baden-Württemberg hätten die Grünen bereits eine kleine Agrarwende hinbekommen, so Pix. Mit dem Förderprogramm „FAKT“ für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl werden insbesondere kleinere Betriebe gefördert, die sich dem ökologischen Landbau, tierfreundlichen Haltungsbedingungen und der Erhaltung und Pflege von Kulturlandschaften verschrieben haben. „Wir setzen auf Qualität statt auf Quantität und sind hierbei weiterhin auf einem guten Weg – auch im Schulterschluss mit dem derzeitigen CDU-Landwirtschaftsminister Peter Hauk“. Dennoch gebe es noch viele Baustellen: So sei ein Pestizidreduktionsprogramm dringend nötig ebenso wie mehr Geld für Verbraucherzentralen. Das oberste Ziel sei jedoch, das Erreichte zu erhalten – weitere große Erfolge würden ohne Ministerposten schwierig. 

Passend zum Thema der Mitgliederversammlung „Regionale Landwirtschaft und Ernährung“ stellten die Kreisvorsitzenden Chantal Kopf, Ella Müller, Hubert Germann und Gregor Kroschel einen Antrag zu ökologischer und regionaler Kost bei Veranstaltungen des Kreisverbandes Freiburg. Der Antrag wurde mit sechs Gegenstimmen und drei Enthaltungen mit großer Mehrheit angenommen.